Jean-Christophé Grange: Das Imperium der Wölfe

Juli 1, 2008

Jean-Christophe Grangé:
Das Imperium der Wölfe

Gelesen von: Joachim Kerzel.

Das Imerpium der Wölfe. Hörbuch gelesen von Joachim Kerzel. Erschienen bei Lübbe Audio, 2008.

Inszenierte Lesung.
Umfang: 6 Audio-CDs.
Erschienen bei Lübbe Audio, 2008.

Als im Pariser Türkenviertel drei unglaublich grausame Morde an
rothaarigen Frauen geschehen, tritt Inspektor Paul auf den Plan.
Was zunächst wie die Tat eines wahnsinnigen Serienmörders wirkt,
steht schon bald in Zusammenhang mit der türkischen Mafia.
Bei den Opfern handelt es sich offenbar um »Fehlgriffe«, denn es
ist eine ganz bestimmte Frau, auf die es der Mörder abgesehen hat …

Rezension von Ronny Schmidt.

Bereits vor einigen Jahren schlüpfte Joachim Kerzel stimmlich in die Rolle des Hardcore-Cops im Ruhestand, Luis Schiffer. Damals als Synchronstimme von Jean Reno, kehrt er hier nun zurück in die bizarre Welt aus Wahnsinn, politischem Verschwörungsthriller und serie noir.
Die Vorlage von Grangé startet realtiv zäh, bedingt durch das Aufbauen zweier Handlungsstränge, die im weiteren Verlauf natürlich miteinander verwoben werden. Auf der einen Seite reaktiviert ein junger Polizist einen extrem brutalen, wie auch zwiespältigen Ex-Cop, auf der anderen Seite ist eine junge Pariserin auf der Suche nach der Quelle ihrer Amnesie und den Gründen ihrer immer extremer werdenden Wahnvorstellungen.
Letzteres verläuft anfangs sehr langatmig, für meinen Geschmack *zu* langatmig. Hat man jedoch diese „Startschwierigkeiten“ überwunden, legt die Handlung an Tempo zu und man fühlt sich alsbald wieder regelrecht „heimisch“ in Grangés düster-brutaler Welt der Beklemmung.

Einziges weiteres Manko: Grangé baut neben dem Charakter der Anna Aimes sein „dynamisches Duo“ auf: Zwei Cops, die sich gegenseitig brauchen, aber bei denen man nie weiß, ob und wer wen eventuell verlädt. Und auf einmal spielen beide keine Rolle mehr? Ok, bei einem ist es nachvollziehbar, bei Nr. 2 indes wirkt es durchaus befremdlich, frei nach dem Motto: „Huch – war da noch jemand? Naja, egal.“
Inszenierte Lesung – da hat der geneigte Hörer natürlich direkt die von Lübbe Audio selbst gelegte Meßlatte „im Ohr“, doch auch hier braucht es einige Zeit, bis man sich „warmgelaufen“ hat. Setzte man beim „Herz der Hölle“ oder besonders beim „Flug der Störche“ auf akzentuierenden Einsatz von Musik und Effekten, so aast man zu Beginn regelrecht mit der Musik rum. Ellenlang wummert düstere Musik durch die Pathologie, akzentuiert nicht, sondern „ertränkt“ Szenen regelrecht.
Doch wie auch bei der Handlung, steigert man sich hier enorm. Zwar toppt man keinesfalls „Das Herz der Hölle“ oder den mit dem Ohrkanus als beste Lesung 2007 ausgezeichneten „Flug der Störche“, doch viel fehlt nicht um erneut in dieser erstklassigen Liga zu spielen.
Joachim Kerzel als Erzähler – was soll, oder besser: kann man noch schreiben, was nicht schon zig mal geschrieben und gesagt wurde? Kerzel ist ein Stimmmeister, ein Virtuose, der die unterschiedlichsten Stimmungen und Atmosphären allein Kraft seiner unvergleichlichen Stimme greifbar und zu einem Hörerlebnis macht.

„Das Imperium der Wölfe“ macht da keine Ausnahme: Kerzel ist und bleibt ein Gigant, der auch dieses Hörbuch einmal mehr zum Erlebnis macht.

Fazit: Auf Grund der Vorlage und der inszenatorischen „Warmlaufphase“ nicht so stark wie „Das Herz der Hölle“ und „Der Flug der Störche“, aber für Fans des französischen Thriller-Meisters allemal eine Empfehlung.


Der Flug der Störche (Jean-Christophe Grangè)

Februar 9, 2008

Jean-Christophe Grangé: Der Flug der Störche
Gelesen von: Joachim Kerzel
Bearbeitete Romanfassung

Der Flug der Störche. Hörbuch gelesen von Joachim Kerzel. Erschienen bei Lübbe Audio, 2007.

Spielzeit: 425 Minuten
78 Tracks
6 CDs
Preis: ca. 10 EUR

Erschienen bei LÜBBE AUDIO
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Lübbe Audio
Scheidtbachstr. 23-31
51469 Bergisch Gladbach

Inhaltsangabe des Verlags:
Jedes Jahr im Spätsommer versammeln sich die Störche und brechen nach Süden auf. Und jedes Jahr im Frühling keren sie zurück in ihre alten Nester. Doch diesmal bleibt die Rückkehr der Zugvögel aus. Ein Schweizer Ornithologe schlägt Alarm. Er erteilt Louis Antioche den Auftrag, den Weg der Störche von Europa nach Zentralafrika zu verfolgen. Seine Nachforschungen werden zu einer Reise ins Grauen…

Rezension:
Suggeriert der Titel einen Öko-Thriller, entpuppt sich der Erstling aus der Feder Jean-Christophe Grangés, den Thrillerkenner unter anderem als Autoren der „Purpurnen Flüsse“ kennen, als brillianter Thriller der härteren Gangart, in dem die Zugroute der Störche „lediglich“ als Aufhänger dient, denn primär geht es um ungeklärte, regelrecht bestialische Morde entlang dieser Flugroute, die irgendwie mit Antioches mysteriösen Auftraggeber, dem verstorbenen Vogelkundler Max Böhm, und dessen unbekannter Vergangenheit in Verbindung stehen. Weshalb ist in keiner Kartei, in keiner Krankenakte etwas von Böhms Herztransplantation zu finden? Was hat es mit den grausamen Fotos in Böhms Haus auf sich, die ein wortwörtlich „menschliches Schlachthaus“ zeigen?

Grangé legt von Beginn an ein wahrhaft atemberaubendes (Erzähl-)Tempo vor, verliert dabei nie den roten Faden und driftet nicht in Belanglosigkeiten ab. Die Spannung wird konstant aufrecht erhalten, es gibt reichlich böse Wendungen und Enthüllungen, die Charaktere sind nicht bis zum Exzess, aber glaubwürdig geschildert. Geradezu galant schafft es Grangé zudem, auf politische Brennpunkte einzugehen, wie etwa den Palästinenserkonflikt oder die Lage der Roma in Bulgarien, ohne dabei lehrerhaft zu erscheinen.

Was man sich indes vor dem Hören klar machen sollte: Grangé geht nicht zimperlich zu Werke. Es gibt Szenen, die sind hart an der Grenze des Zumutbaren, was Brutalität angeht. Dies ist nicht falsch zu verstehen: Diese schonungslose Darstellung ist im Werk wichtig, allerdings sollte man hier wirklich *einiges* abkönnen. Wer also bei Filmen wie „Saw“ oder „Hostel“ bereits Probleme hat, sollte hier vorsichtig sein.

Joachim Kerzel als Erzähler – was kann ich hier groß schreiben? Perfekt. Fesselnd. Mitreißend. Brilliant. Kerzel hat sich nicht nur als Synchronsprecher von beispielsweise Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper oder Sir Anthony Hopkins (in „Hannibal“, „Das perfekte Verbrechen, „Roter Drache“) in die oberste Riege gespielt, sondern in den vergangenen Jahren auch durch seine beindruckenden Interpretationen vieler Hörbücher. Daß Kerzel nach wie vor zu den besten Erzählern gehört, beweist er mit „Der Flug der Störche“ einmal mehr auf beeindruckende Weise.

Äußerst positiv überrascht bin ich von dem Fakt, daß hier sowohl von einer stimmungsvollen Musikuntermalung vieler Szenen, als auch vom passenden Einsatz von Geräuscheffekten Gebrauch gemacht worden ist.
Sowohl Musik, als auch Effekte verstärken an den jeweiligen Stellen die ohnehin schon bedrohliche Atmosphäre des Werkes noch um ein Vielfaches.

Fazit:
Ein *ganz* heißer Anwärter auf mein persönliches Hörbuch des Jahres, auch wenn noch ein paar Monate ausstehen. Grangés Erstling entpuppt sich in der vorliegenden Lesung als wahnsinnig packender, irrwitzig schneller Thriller, der neben aller nervenzerfetzenden Spannung auch authentisch auf politische Brisanz eingeht – dem Hörer allerdings auch ein „menschliches Schlachthaus“ serviert.
Brillianter Thriller, fantastisch vorgetragen durch einen grandiosen Joachim Kerzel, durch akzentuierenden, brillianten Einsatz von Musik und Geräuscheffekten bestechend. Allerdings sollte man erzählerischer Härte und explizierter Beschreibungen nicht abgeneigt gegenüberstehen.
Klare Empfehlung für Thrillerfans.

Zusatzinformationen:

Jean-Christophe Grangé ist der Autor der „Purpurnen Flüsse“. Zudem schrieb er das Drehbuch zu „Das Imperium der Wölfe“ und „Vidocq“.