Equilbrium

August 30, 2008

Equlibrium
(USA, 2002)

Equilibrium

Equilibrium

Inhaltsangabe des Verleihs:

Die Zukunft. Ein totalitäres System mit Bürgern ohne Emotionen. Die Regierung hat menschliche Gefühle zur Ursache für Krieg erklärt. Daher muss sich jeder Bürger täglich seine Dosis Prozium spritzen um sämtliche Gefühle zu unterdrücken.
Bücher, Kunst, kurz alles, was an frühere, gefühlsgeprägtere Zeiten erinnert, ist verboten.

Der Kleriker John Preston (Christian Bale) verfolgt unerbittlich jeden, der gegen die neuen Gesetze verstößt. Dabei macht er auch vor Kollen oder gar der eigenen Familie halt. Bis er eines Tages zufällig seine eigene Dosis Prozium vergisst.

Preston nimmt Kontakt zur Widerstandsbewegung auf, die ihn auffordert, das System zu stürzen. Er wird vom Verfolger zum Verfolgten…

Regie:
Kurt Wimmer
Darsteller:
Christian Bale: John Preston
Sean Bean: Errol Partridge
Emily Watson: Mary O’Brien
Taye Diggs: Kleriker Brandt
William Fichtner: Jurgen
Sean Pertwee: ‘Vater’
u.a.

Musik:
Klaus Badelt

Länge:
ca. 102 Minuten

FSK-Freigabe:
Ab 16 Jahren

Equilbrium ist einer jener wenigen Filme, deren deutsche „Direkt-auf-DVD“-Veröffentlichung ich nur mit einem Kopfschütteln bedenken kann.

Erzählt wird die scheinbar immer aktuelle Geschichte von einer verlorenen Gesellschaft, die von einer totalitären Regierung geknechtet, ihr karges Dasein fristet, zudem beraubt jeder Emotion. Erzählt wird die Geschichte eines scheinbar vergeblichen Kampfes einiger im Untergrund lebender Menschen, die sich nicht durch die Droge Prozium zu „lebenden Toten“ machen lassen wollen. Und erzählt wird die Geschichte des Grammaton Klerikers John Preston, der im Dienste der Regierung dieses „Sinnestäter“ gnadenlos verfolgt und selbst vor der Eliminierung selbiger im engsten Vertrautenkreis nicht zurückschreckt, bis ihm eines Tages die tägliche Dosis Prozium „abhanden“ kommt und er das erste mal erfährt, was es heißt zu fühlen…

Geschickt verknüpft Regisseur und Drehbuchautor Kurt Wimmer Element der Genreklassiker „Schöne neue Welt“, „1984″, „Fahrenheit 451″ – und ja, auch von „The Matrix“, und dennoch gelingt ihm dabei ein höchst eigenständiges, lebendiges Mahnmal, ein Meisterwerk, das in Zeiten von immer lauteren Rufen nach Freiheitseinschränkung zu Gunsten von mehr Sicherheit seitens der Politik sicherlich nicht nur zur bloßen Unterhaltung dienen sollte.

Den Kleriker John Preston verkörpert der britsche Ausnahmeschauspieler Christian Bale, inzwischen dank „Batman Begins“ zu internationaler Bekanntheit auch bei der Masse der Kinogänger gekommen. Und Bale trägt den Film; er ist die zentrale Figur, der Angelpunkt mit dem alles steht oder fällt. Er meister die Herausforderung großartig, denn die Rolle verlangt ihm wirklich extrem viel ab. Er muss überzeugend den kompromisslosen Kämpfer mimen, gleichzeitig aber auch den immer stärker werdenden inneren Konflikt überzeugend rüberbringen, den er im Laufe des Films mit sich austragen muss und der letztlich sogar in einer herzergreifenden Szene in seinem totalen Zusammenbruch mitten unter den Menschen und vor den Augen derer gipfelt, die für die Beseitigung solcher „Sinnes-Straftäter“ sorgen…
Knapp gesagt: Bale spielt Preston nicht, er IST Preston. Die Mimik ist auf den Punkt genau richtig, die Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Entschlossenheit, Resignation, Sorge, Hass, all das kommt mit perfektem Spiel rüber.
Sein Partner und späterer Gegenspieler Taye Diggs wirkt dagegen schon fast blaß, denn letztlich kommt ihm „lediglich“ die Rolle des fiesen Opportunisten zu, welche er jedoch brilliant und mit sichtbarer Freude spielt.
Sehr gut gefallen hat mir auch Sean Bean in der Rolle von Prestons ersten Partner, Errol Partridge. Ohne zuviel zu verraten: Auch er bringt seinen -für sich bereits entschiedenen- inneren Konflikt durch seine Mimik, die von einem Hauch Melancholie getragen wird, wunderbar zum Ausdruck. Umso gewaltiger wird die emotionale Wucht der „Aussprache“ zwischen ihm und Preston.

Die Effekte sind exzellent, ebenso die Kameraarbeit und vor allem die ungewöhnliche Choreographie der Actionszenen. Für Equilibrium ersann Kurt Wimmer eigens das „Gun Kata“, eine Form der Selbstverteidigung, die mit Faustfeuerwaffen geschieht. Schwierig zu beschreiben, fantastisch anzusehen.

Den Score, den Klaus Badelt komponierte, kann man ebenfalls nur lobend erwähnen. Ganz klar aus Hans Zimmers „MediaVentures“-Schmiede, transportiert die Musik sowohl die Actionsequenzen hervorragend, als auch die dramatischen und tragischen Momente, die nicht gerade selten im Film zu sehen sind. Daß viele Stücke zudem regelrechten Ohrwurmcharakter besitzen, spricht ebenfalls für den Komponisten. Wie auch der Film an sich, ist der Score zu Equilibrium kein „Einmal hören und dann vergessen“-Erlebnis.

Fazit:
Bewegende, charaktergetriebene Geschichte, gepaart mit einigen der brilliantesten Actionszene der letzten Jahre – geht so etwas überhaupt?
Klare Antwort: Ja, es geht – und das sogar verdammt gut!
‘Equilibrium’ hat eine für Flimverhältnisse ungewohnt tiefgreifende Charakterisierung, die Triebfeder des Films sind keine plakativen Effekte, keine tollen Landschaftsaufnahmen, sondern Christian Bales brilliantes Schauspiel. Daß der Mann zudem noch Keanu Reeves vom Coolness-Thron kickt, ist zweitrangig, aber das schafft er ebensol locker wie das volle Programm an Emotionen glaubwürdig rüberzubringen. Und spätestens wenn er, bzw. sein Charakter in aller Öffentlichkeit weinend zusammenbricht, wünscht man ihm alle Kraft der Welt um dieses unmenschliche Regime zur Hölle zu jagen. Der Wunsch wird erhört – und der Zuschauer bekommt ein selten brilliantes Stück Unterhaltung geboten, das sowohl Drama-/Charakterliebhabern, als auch Actionjunkies gefallen wird. ‘Equilibrium’ ist ganz klar einer der Filme, die man gesehen haben _muss_.


Zuletzt gesehen

Juli 8, 2008

Chocolat

Mit Juliette Binoche, Carrie-Ann Moss, Judi Dench, Alfred Molina, Johnny Depp, Peter Stormare u.a.

Regie: Lasse Hallström

Ende der 50er Jahre weht der Nordwind die zauberhafte Vianne und deren kleine Tochter Anouk in das französische Dörfchen Lansquenet-sous-Tannes, das seit dem Mittelalter allen Modernisierungsbestrebungen erfolgreich widersteht. Dort wünscht man sich nichts sehnlicher als seine Ruhe. Doch genau die bekommt man mit der resoluten Frau gerade nicht, die mitten in der Fastenzeit in Kirchennähe eine Chocolaterie eröffnet. Die bigotte Dorfgemeinde geht auf die Barrikaden – aber Vianne versteht sich mit geradezu magischem Geschick zu wehren…

Ein fantastischer und fantastisch gemachter Gute-Laune Film, der mit einem riesigen Staraufgebot Schauspiel in Reinkultur auf den Bildschirm bringt. Herrausragend sind vor allem Alfred Molina als bärbeißiger Bürgermeister, der sich mit Juliette Binoche, bzw. ihrer Chocolateriebesitzerin schon ein Don Camillo & Peppone-artiges Duell liefert, dann natürlich Johny Depp, der -für viele weibliche Fans sicherlich vorher zu erwähnen- hier weder die Hauptrolle spielt, noch in der ersten Hälfte des Films auftaucht, und dennoch wie immer eine Präsenz hat, die viele andere blass aussehen lässt.
Und ja, man muss Judy Dench Respekt zollen. Wie die den meisten wohl nur als „M“ aus den Bond-Filmen bekante Darstellerin die alte „Schrulle“ spielt, flucht, zickig ist und trotzdem keinesfalls als schlechter, sondern eher, ja fast schon gebrochener Charakter rüberkommt, ist beeindruckend und am Ende schlicht bewegend.

„Chocolat“ war einer der Filme, die nicht mal in der Nähe meiner „Unbedingt sehen“-Liste sind, und trotzdem muss ich sagen: Gut, daß ich ihn sehen durfte, ansonsten wäre mir dieses Juwel der Schauspielerei und Erzählkunst sicherlich „durch die Lappen gegangen“.

 

The Killer

Mit Chow Yun-Fat, Danny Lee, Sally Yeh u.a.

Regie: John Woo

Profikiller Jeffrey fühlt sich für die Nachtclubsängerin Sally verantwortlich, die ein Feuerstoß aus seiner Waffe blendete. So nimmt er einen letzten Auftrag an, um mit der Prämie für den Großgangster Tony Weng der Frau seiner Träume die dringend notwendige Netzhauttransplantation zu finanzieren. Dabei kommt ihm der engagierte Jung-Cop Lee auf die Spur, doch stellen die Männer bald fest, daß sie mehr verbindet als trennt. Gemeinsam ziehen Cop und Killer in einen Krieg gegen die Heerscharen der Unterwelt.

Seit Jahr und Tag einer meiner absoluten Favoritenfilme. John Woo verstand es bereits Ende der 80er Jahre in Hong Kong Action zu inszenieren, um die ihn nicht nur die Großen des Films bewundern, sondern die auch heute, fast 20 Jahre nach der Veröffentlichung, immer noch etlichen Möchtegern-Regisseuren zeigt, wo der Hammer hängt.

Dabei ist die Action allein nicht einmal das bestechendste an Woos Meisterwerk. Vielmehr vermochte der von den Medien gern „Mozart der Verwüstung“ getaufte Regisseur hier etwas zu vollbringen, das in gängigen Actionstreifen gemeinhin selten, eigentlich gar nicht zu finden ist: Er schuf Charaktere, die Ecken und Kanten haben, die Fehler machen, aber auch Prinzipien. Woo hat hier nicht weniger inszeniert als eine Art aktualisierte „klassische Tragödie“ mit fantastischen Darstellern (Chow Yun-Fat ist einfach unschlagbar als entschlossener, dennoch keinesfalls unmenschlicher und im Inneren zutiefst zerrüteter Killer), einer kompromisslosen Geschichte über Freundschaft und Verrat, Liebe, Ehre, Verbrechen und den Tod, sowie einer Choreographie, die, wie bereits erwähnt, selbst heute noch viele moderne Actionfilme aussehen lässt wie Amateurkram.

„The Killer“ sollte man als Cineast zumindest einmal gesehen haben. Wenn ein Film die späten 80er, frühen 90er des Hong Kong Films prägte und zudem gestandene Regisseure wie Quentin Tarantino, Oliver Stone und Michael Mann beeinflusst und sie zu Reminiszenzen veranlasst, dann war es John Woos The Killer.
Aber Obacht: Auf gar keinen Fall auch nur 1ct. für die FSK-16 Fassung ausgeben – da ist der Film unguckbar, sozusagen der erste John Woo Film „mit ohne“ Schießerei. Auf jeden Fall zur 18er Fassung greifen.


Hancock (Kommentar)

Juli 8, 2008

Hancock
USA 2008
FSK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Länge: 92 Minuten

Regie: Peter Berg

Darsteller:
Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman, Eddie Marsan u.a.

Verleih:
Sony Pictures.

Bundesstart: 03.07.2008

Inhalt:

Hancock (Will Smith) ist ein waschechter Superheld, auf den Los Angeles allerdings verzichten könnte. Mit seinen unglaublichen Taten rettet er zwar unzählige Leben, hinterlässt aber eine unwahrscheinliche Spur der Verwüstung. Derart missverstanden vegetiert er als verbitterter Alkoholiker auf der Straße – bis er PR-Agent Ray (Jason Bateman) rettet. Der revanchiert sich mit einer Imagekampagne – ohne zu ahnen, dass seine Frau (Charlize Theron) Hancock nur zu gut kennt.

Quelle: http://www.kino.de/kinofilm/hancock/104109.html

Kurzkommentar:

Man *kann* durchaus eine Komödie mit ernsten Untertönen drehen. Umgekehrt kann man durchaus auch einen ernsten Film mit komödiantischen Untertönen drehen. Dies erfordert jedoch ein ausgewogenes Maß beider Zutaten und einen guten Drehbuchautoren und vor allem im Schnitt jemanden, der eben selbige Gratwanderung zu Vollziehen in der Lage ist… was bei „Hancock“ leider nicht klappte. Der Zuschauer weiß, ebenso wie die Geschichte und der Schnitt, nicht, wohin man will und woran man letztlich ist (in etwa das befürchtete „Ultravilolet“-Gefühl, wo Sony ja auch meinte „Och, wir schneiden den Film mal eben komplett um und setzen die Akzente anderes).

Die Idee zu „Hancock“ ist klasse, ohne Frage – die Umsetzung allerdings, naja.

6 von 10 Weinflaschen.

PS: Hoffe dennoch auf einen zweiten Teil – die Idee ist nämlich zu gut, um sie durch den Erstling kaputtmachen zu lassen.

Offizielle Website zum Film:
» http://www.hancock-derfilm.de/


Gesehen und für gut befunden

Juli 1, 2008

John Rambo

Nach den teils doch arg seltsam anmutenden Teilen 2 und 3 führt „Sly“ nun selbst Regie und beschert dem alten Recken ein würdiges Ende. Hätte nicht erwartet, daß der Film überzeugen kann – tut er aber.

Driving Lessons

„Die Weasleys sind wieder da“, möchte man meinen, wenn man die Besetzung des Films durchliest. Doch weit gefehlt: Zwar sind mit einer brillianten Julie Walters und einem ganz und gar nicht „Ron-igen“ Rupert Grint zwei Darsteller der beliebten Magierfamilie zu sehen, doch glücklicherweise inszenierte Regisseur Jeremy Brock die beiden komplett anders.
Streckenweise extrem komisch, aber immer gefühlvoll und durchaus mit ernstem Unterton – und sehr britisch.