Zuletzt gesehen

Juli 8, 2008

Chocolat

Mit Juliette Binoche, Carrie-Ann Moss, Judi Dench, Alfred Molina, Johnny Depp, Peter Stormare u.a.

Regie: Lasse Hallström

Ende der 50er Jahre weht der Nordwind die zauberhafte Vianne und deren kleine Tochter Anouk in das französische Dörfchen Lansquenet-sous-Tannes, das seit dem Mittelalter allen Modernisierungsbestrebungen erfolgreich widersteht. Dort wünscht man sich nichts sehnlicher als seine Ruhe. Doch genau die bekommt man mit der resoluten Frau gerade nicht, die mitten in der Fastenzeit in Kirchennähe eine Chocolaterie eröffnet. Die bigotte Dorfgemeinde geht auf die Barrikaden – aber Vianne versteht sich mit geradezu magischem Geschick zu wehren…

Ein fantastischer und fantastisch gemachter Gute-Laune Film, der mit einem riesigen Staraufgebot Schauspiel in Reinkultur auf den Bildschirm bringt. Herrausragend sind vor allem Alfred Molina als bärbeißiger Bürgermeister, der sich mit Juliette Binoche, bzw. ihrer Chocolateriebesitzerin schon ein Don Camillo & Peppone-artiges Duell liefert, dann natürlich Johny Depp, der -für viele weibliche Fans sicherlich vorher zu erwähnen- hier weder die Hauptrolle spielt, noch in der ersten Hälfte des Films auftaucht, und dennoch wie immer eine Präsenz hat, die viele andere blass aussehen lässt.
Und ja, man muss Judy Dench Respekt zollen. Wie die den meisten wohl nur als „M“ aus den Bond-Filmen bekante Darstellerin die alte „Schrulle“ spielt, flucht, zickig ist und trotzdem keinesfalls als schlechter, sondern eher, ja fast schon gebrochener Charakter rüberkommt, ist beeindruckend und am Ende schlicht bewegend.

„Chocolat“ war einer der Filme, die nicht mal in der Nähe meiner „Unbedingt sehen“-Liste sind, und trotzdem muss ich sagen: Gut, daß ich ihn sehen durfte, ansonsten wäre mir dieses Juwel der Schauspielerei und Erzählkunst sicherlich „durch die Lappen gegangen“.

 

The Killer

Mit Chow Yun-Fat, Danny Lee, Sally Yeh u.a.

Regie: John Woo

Profikiller Jeffrey fühlt sich für die Nachtclubsängerin Sally verantwortlich, die ein Feuerstoß aus seiner Waffe blendete. So nimmt er einen letzten Auftrag an, um mit der Prämie für den Großgangster Tony Weng der Frau seiner Träume die dringend notwendige Netzhauttransplantation zu finanzieren. Dabei kommt ihm der engagierte Jung-Cop Lee auf die Spur, doch stellen die Männer bald fest, daß sie mehr verbindet als trennt. Gemeinsam ziehen Cop und Killer in einen Krieg gegen die Heerscharen der Unterwelt.

Seit Jahr und Tag einer meiner absoluten Favoritenfilme. John Woo verstand es bereits Ende der 80er Jahre in Hong Kong Action zu inszenieren, um die ihn nicht nur die Großen des Films bewundern, sondern die auch heute, fast 20 Jahre nach der Veröffentlichung, immer noch etlichen Möchtegern-Regisseuren zeigt, wo der Hammer hängt.

Dabei ist die Action allein nicht einmal das bestechendste an Woos Meisterwerk. Vielmehr vermochte der von den Medien gern „Mozart der Verwüstung“ getaufte Regisseur hier etwas zu vollbringen, das in gängigen Actionstreifen gemeinhin selten, eigentlich gar nicht zu finden ist: Er schuf Charaktere, die Ecken und Kanten haben, die Fehler machen, aber auch Prinzipien. Woo hat hier nicht weniger inszeniert als eine Art aktualisierte „klassische Tragödie“ mit fantastischen Darstellern (Chow Yun-Fat ist einfach unschlagbar als entschlossener, dennoch keinesfalls unmenschlicher und im Inneren zutiefst zerrüteter Killer), einer kompromisslosen Geschichte über Freundschaft und Verrat, Liebe, Ehre, Verbrechen und den Tod, sowie einer Choreographie, die, wie bereits erwähnt, selbst heute noch viele moderne Actionfilme aussehen lässt wie Amateurkram.

„The Killer“ sollte man als Cineast zumindest einmal gesehen haben. Wenn ein Film die späten 80er, frühen 90er des Hong Kong Films prägte und zudem gestandene Regisseure wie Quentin Tarantino, Oliver Stone und Michael Mann beeinflusst und sie zu Reminiszenzen veranlasst, dann war es John Woos The Killer.
Aber Obacht: Auf gar keinen Fall auch nur 1ct. für die FSK-16 Fassung ausgeben – da ist der Film unguckbar, sozusagen der erste John Woo Film „mit ohne“ Schießerei. Auf jeden Fall zur 18er Fassung greifen.


Hancock (Kommentar)

Juli 8, 2008

Hancock
USA 2008
FSK-Freigabe: Ab 12 Jahren
Länge: 92 Minuten

Regie: Peter Berg

Darsteller:
Will Smith, Charlize Theron, Jason Bateman, Eddie Marsan u.a.

Verleih:
Sony Pictures.

Bundesstart: 03.07.2008

Inhalt:

Hancock (Will Smith) ist ein waschechter Superheld, auf den Los Angeles allerdings verzichten könnte. Mit seinen unglaublichen Taten rettet er zwar unzählige Leben, hinterlässt aber eine unwahrscheinliche Spur der Verwüstung. Derart missverstanden vegetiert er als verbitterter Alkoholiker auf der Straße – bis er PR-Agent Ray (Jason Bateman) rettet. Der revanchiert sich mit einer Imagekampagne – ohne zu ahnen, dass seine Frau (Charlize Theron) Hancock nur zu gut kennt.

Quelle: http://www.kino.de/kinofilm/hancock/104109.html

Kurzkommentar:

Man *kann* durchaus eine Komödie mit ernsten Untertönen drehen. Umgekehrt kann man durchaus auch einen ernsten Film mit komödiantischen Untertönen drehen. Dies erfordert jedoch ein ausgewogenes Maß beider Zutaten und einen guten Drehbuchautoren und vor allem im Schnitt jemanden, der eben selbige Gratwanderung zu Vollziehen in der Lage ist… was bei „Hancock“ leider nicht klappte. Der Zuschauer weiß, ebenso wie die Geschichte und der Schnitt, nicht, wohin man will und woran man letztlich ist (in etwa das befürchtete „Ultravilolet“-Gefühl, wo Sony ja auch meinte „Och, wir schneiden den Film mal eben komplett um und setzen die Akzente anderes).

Die Idee zu „Hancock“ ist klasse, ohne Frage – die Umsetzung allerdings, naja.

6 von 10 Weinflaschen.

PS: Hoffe dennoch auf einen zweiten Teil – die Idee ist nämlich zu gut, um sie durch den Erstling kaputtmachen zu lassen.

Offizielle Website zum Film:
» http://www.hancock-derfilm.de/